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Thread: Ganzer Markt? Halber Markt?


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Permlink Replies: 9 - Pages: 1 - Last Post: Jan 22, 2018 7:47 AM Last Post By: erl78 Threads: [ Previous | Next ]
erl78

Posts: 72
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Ganzer Markt? Halber Markt?
Posted: Jan 21, 2018 5:49 AM
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Liebe Kolleginnen und Kollegen,

mich treiben derzeit Fragen um, die ich trotz intensiver Internetrecherchen nicht beantworten kann. Da diese Fragen den einen oder die andere von euch
sicher auch betreffen, stelle ich das Statement und die Fragen hier aus. Vielleicht kann mir ja jemand was sagen zu dem Problemkomplex - und mir damit eine Entscheidungshilfe geben.

Ich veröffentliche seit 2012 regelmäßig Bücher als e-books bei Amazon sowie gedruckt bei Create Space (neuerdings eher KDP Print). Zwischenzeitlich gab es ein kurzes Intermezzo bei neobooks, das ich jedoch beendet habe. Ursprünglich dazu angedacht, auch in den Handel jener 50% des Marktes zu kommen, die Amazon/CS nicht erreicht, habe ich schnell gemerkt, dass bei neobooks bzw. den angegliederten Händlern wenig Engagement bestand, meinen Büchern »wenigstens« der Potenz nach Sichtbarkeit zu ermöglichen - und das in einem Genre, das (noch) vergleichsweise überschaubar ist. Verlagsbücher scheinen bei traditionellen Händlern und Aggregatoren noch immer den Vorzug zu genießen.

Seit zwei, drei Jahren fahre ich nun wieder ausschließlich über Amazon/CS. Dennoch verstört mich die Vorstellung, nur »den halben Markt«
zu bedienen - wenigstens in dem Sinne, meine Bücher dort nicht auf Abruf vorhalten zu können. Die Recherche darüber, wie meine (erfolgreichen) Kollegen
dieses Problem handhaben, ergab ein Sammelsurium diverser Möglichkeiten: Einige gehen über BoD, andere über den Weg, Nebenlizenzen zu vergeben
(z. B. via belle-epoque-Verlag), wieder andere haben sich bei Fanpro hineinmanövriert.

Was alle Autoren gemeinsam haben:
a) sie wickeln das Amazon-«Geschäft« auf eigene Faust ab (inklusive der KU/KOLL-Option, was für e-books die mindestens drei Monate währende Exklusivität an Amazon bedeutet) und
b) sie halten ihre Bücher dennoch in der »tolino-area« dennoch als Printbücher zum Abruf bereit.

Im Gefolge dieser Recherchen habe ich mich mit BoD und epubli beschäftigt und bin mit den Ergebnissen nicht sonderlich zufrieden.
Obwohl letztlich nur »bessere Druckereien« (wie das jemand in einem Forum mal geschrieben hat), binde ich meine Bücher offenbar exklusiv an z. B.
BoD (für ein Jahr), und wenn ich den Autorenvertrag richtig verstehe, darf ich meine Werke in dieser Zeit nicht noch woanders drucken lassen.

Jetzt kommt die Krux, die gleichzeitig wohl der Kern des Geschäftsmodells von BoD (wie auch von epubli und anderen) sein dürfte: Möchte ich Autorenexemplare ordern, kostet mich ein 300-Seiten-Buch (für 9.99 Euro bei Amazon) fast den Bruttoladenpreis! Vor allem dann, wenn ich nicht bereit bin, eine so große Auflage zu bestellen, dass ich gefühlt die nächsten elf Jahre die ganze Welt damit beglücken könnte. (Anders Amazon selbst: dort kostet mich das gleiche Buch über den Weg von Autorenbestellungen lediglich 4.32 Euro.)

Einmal davon abgesehen, dass ich nicht bereit bin, derart hohe »Druck«-Kosten zu bezahlen (was z. B. bei booksfactory.com auch anders geht),
ist das für mich fast eine Form von Honorarumkehrung: Der Autor, der sowieso schon den ganzen Vorlauf an Belastungen trägt (in Form von Zeit, Arbeit, Geld und Nerven), soll auf ein zentrales Recht seiner Urheberschaft verzichten und wird so gezwungen, die eigenen Werke für teures Geld drucken zu lassen. Das Vorhalten auf Kommisionsbasis im lokalen Buchhandel sowie der Abverkauf von Exemplaren bei Lesungen wird so zu einem Nullsummenspiel, bei dem nur einer ins Plus kommt: Während ich alle Risiken trage, verdient BoD auf jeden Fall - ob ich nun meine Bücher verkauft bekomme oder nicht.

Das wird für mich auch nicht durch den Umstand ausgeglichen, dass die ISBN-Arie samt Nebengesängen (VLB, Distribution Barsortimente, Online, stationär)
dem Autor abgenommen wird. Ich denke, wir wissen alle: wohl über 90% der Bücher, die bei BoD gelistet sind, werden nie nachgefragt im Buchhandel - und wahrscheinlich sind 90% noch eine Untertreibung. Damit schließt sich der Kreis im Blick auf die hohen Kosten für Autorenexemplare: BoD macht (wie viele andere in dieser Branche auch) sein Geschäft mit den Autoren, nicht mit den Lesern.

Für mich mutiert das zum Konflikt: Entweder ich bleibe bei Amazon exklusiv, bekomme Autorenexemplare zu »fairen« Druckkosten
(fair heißt auch: wirtschaftlich noch sinnvoll), muss dann aber auf die Abdeckung des restlichen Marktes verzichten. Die Amazon ISBNs sind
weitgehend »wertlos« (wenn nicht Gift im Blick auf stationäre Buchhändler).

Oder ich mache den Deal mit einem der Distributoren (für die ich BoD nur stellvertretend nenne), belege mit dem Printbuch den ganzen Markt, komme
aber nicht mehr an Eigenexemplare heran, die sich noch wirtschaftlich sinnvoll nutzen ließen.

Wie ihr euch bestimmt denken könnt, treibt mich das Bestreben, beides zu verwirklichen: einerseits mittels eines Aggregators den restlichen Markt zumindest mit
den Printfassungen zu bedienen, andererseits aber weiterhin an günstige Eigenexemplare zu kommen.

Mir ist bewusst, dass ich noch den Weg gehen könnte, der das Selbstverlegertum kompletieren würde: Ich könnte mir ISBN kaufen, mich beim VLB anmelden, versuchen, selber in die Barsortimente zu kommen und sämtliche Pflichtexemplare in die Bibliotheken zu schicken.
Nur: Ich bin leider (noch) nicht sooo erfolgreich, dass nicht die Gefahr bestände, meine derzeitigen Einnahmen durch Bücher vollständig in Vorläufen dieser
Art zu versenken. Insofern suche ich eine Art schlanken Mittelweg, der eingedenk eines notwendigen Kostenbewusstseins dennoch alles realisiert, was auf
die Dauer den Vertrieb professionalisiert.

Deshalb meine Fragen:

a) Interpretiere ich im Kern die Autorenverträge (insbesondere von BoD und epubli) richtig: Nach Vertragsabschluss dürfen nur noch sie das Werk drucken bzw.
es ist mir nicht erlaubt, mit deren ISBN z.B. zu booksfactory zu gehen, um dort eine kleine Auflage zu ordern?

b) Falls dem so ist: Kennt ihr noch andere Wege, dieses Dilemma aufzulösen? Oder habt ihr noch grundsätzlich andere Ideen dazu?

Wie sind eure Erfahrungen damit?

Bin gespannt auf eure Ansichten!
Viele Grüße und einen schönen Sonntag!
Marlis Blunk

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Re: Ganzer Markt? Halber Markt?
Posted: Jan 21, 2018 9:19 AM   in response to: erl78 in response to: erl78
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Hallo erl78,
du schreibst immer von den 50% am Markt, die du erschließen möchtest, hast aber im Grunde selbst festgestellt, dass es diese 50% gar nicht gibt.
Ich würde meine Zeit lieber nutzen und versuchen ein gutes Buch zu schreiben. Das rentiert sich nämlich auch oder vor allem bei Amazon.
Das ist meine Meinung dazu. Einen schönen Sonntag noch, ich schreibe jetzt weiter an meinem Buch.
LG Marlis
juergen13716

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Re: Ganzer Markt? Halber Markt?
Posted: Jan 21, 2018 9:31 AM   in response to: Marlis Blunk in response to: Marlis Blunk
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Ha, ich habe etliche Romane via Bookrix (Tolino, bol, Amazo) eingestellt. Und wo werden sie vor allem verkauft? Über Amazn.

Ich sage mal nicht 50, ich sage 10 - 15 Prozent.
Dr. Gabriele No...

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Re: Ganzer Markt? Halber Markt?
Posted: Jan 21, 2018 11:29 AM   in response to: juergen13716 in response to: juergen13716
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Hallo zusammen,

ich kann den Kollegen nur zustimmen. Und zu diesem Thema ist übrigens gerade ein FAZ-Artikel erschienen, bei dem die Einbrüche (50%) im deutschen Verlagswesen beklagt werden. "Zur Krise des Lesens". Ein paar Wochen vorher hat der Chef vom Diogenes-Verlag auch öffentlich geweint, daß sich die Umsätze halbiert hätten. Über E-Books und Amazon wird natürlich kein Wort verloren; man ist ja schließlich wer.

Ich stelle bei mir eher fest, daß die Anzahl der gelesenen Seiten steigt, was mich an einer Krise des Lesens zweifeln lässt.

Mich lässt das automatisch an die letzten Buchmaler des 14. Jahrhunderts denken, die wahrscheinlich entgeistert vor einer Gutenberg-Presse gestanden haben und nicht glauben wollten, daß dieses seelenlose Ding sie nicht nur arbeitslos machen würde, sondern die ganze Welt umkrempeln sollte. So ist das, wenn eine technologische Revolution einschlägt.

Fazit: Wessen Glück daran hängt, daß sein letztes Werk in der örtlichen Buchhandlung zu Weihnachten im Schaufenster steht (und im Sommer im Supermarkt für 99 Cents in der Reste-Truhe liegt), der soll ruhig weiter vom halben Markt träumen. Ich denke, daß man bei Amazon derzeit am besten aufgehoben ist.
juergen13716

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Re: Ganzer Markt? Halber Markt?
Posted: Jan 21, 2018 11:59 AM   in response to: Dr. Gabriele No... in response to: Dr. Gabriele No...
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Gabriele, viele Grüße! Jürgen
Dr. Gabriele No...

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Re: Ganzer Markt? Halber Markt?
Posted: Jan 21, 2018 1:05 PM   in response to: juergen13716 in response to: juergen13716
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danke, viele Grüße aus Düsseldorf zurück!

Gabriele
juergen13716

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Re: Ganzer Markt? Halber Markt?
Posted: Jan 21, 2018 8:16 PM   in response to: Dr. Gabriele No... in response to: Dr. Gabriele No...
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Juhu, ich wohne in Bilk.
Stefan Jacobasch

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Re: Ganzer Markt? Halber Markt?
Posted: Jan 22, 2018 2:18 AM   in response to: erl78 in response to: erl78
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erl78 wrote:
a) Interpretiere ich im Kern die Autorenverträge (insbesondere von BoD und epubli) richtig: Nach Vertragsabschluss dürfen nur noch sie das Werk drucken bzw.
es ist mir nicht erlaubt, mit deren ISBN z.B. zu booksfactory zu gehen, um dort eine kleine Auflage zu ordern?

Ja, das interpretierst Du wohl richtig. Warum sollte Dir BoD auch eine ISBN geben, mit der dann eine andere Druckerei druckt?

Wenn Du selbst auf Lesungen, Messen etc. viele Print-Exemplare absetzen kannst, wäre vielleicht ein Eigenverlag eine Alternative. Bei Sachbüchern gäbe es die Möglichkeit, eine inhaltlich leicht abweichende Ausgabe unter anderem Titel anzubieten, die nicht im normalen Handel sondern nur bei Dir zu beziehen ist. Bei Romanen lässt sich Ähnliches machen, z. B. drei Titel in einen Sammelband zusammenfassen, der dann mit eigener ISBN von den Einzelausgaben unabhängig ist.

Ich bin mit Print-Exemplaren auch bei BoD, kaufe da aber keine Autorenexemplare, weil zu teuer. Fast 90 % meiner BoD-Exemplare werden zudem bei Amazon verkauft - eigentlich bringt mir BoD also nichts. Ich sage allerdings Amazon-Hassern gern, dass sie meine Bücher in jeder beliebigen Buchhandlung bestellen können. In der Realität laufen aber über 80 % meiner Verkäufe, Print wie E-Book, über Amazon.
Dr. Gabriele No...

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Registered: 07.05.16
Re: Ganzer Markt? Halber Markt?
Posted: Jan 22, 2018 2:46 AM   in response to: juergen13716 in response to: juergen13716
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ich biete Reisholz-Hassels und die gute Luft direkt an der A46...
erl78

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Re: Ganzer Markt? Halber Markt?
Posted: Jan 22, 2018 7:47 AM   in response to: Stefan Jacobasch in response to: Stefan Jacobasch
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Dank an alle für die Antworten!

Ihr bestätigt mir im Grunde, dass sich seit den Zeiten, die ich mit neobooks erlebt habe, offenbar nicht viel geändert hat. Noch immer ist der Hauptmarktplatz wohl Amazon - und wird es wohl auf lange Sicht auch bleiben. Vielleicht bin ich da in den letzten Wochen etwas heißgelaufen bei den vielen Internetrecherchen. Denn aus denen heraus hat sich mir ein anderes Bild ergeben: die Tolino-Community habe sich in den letzten zwei, drei Jahren gemausert, der Marktanteil von Amazon liege bei 40 bis 50 % - die "andere Hälfte" teilen sich Thalia, Hugendubel, Apple und Co.

Nun ja, mir ist auch durch eure Antworten bewusster geworden, dass mein Ansinnen letztlich auf eine einfache Entscheidungsfrage hinausläuft: Was ist mir wichtiger? Via KDP Print an Autorenexemplare zu kommen, die ich noch mit Gewinn bei Lesungen und im hiesigen Buchhandel verkaufen kann (falls ich da mit einer "Amazon-Produktion" überhaupt hineinkomme) oder potentialiter von Flensburg bis zum Bodensee überall bestellbar zu sein - wenigstens der Möglichkeit nach. (Denn dass da jemand nachfragt, halte ich für recht unwahrscheinlich ... derzeit jedenfalls --;;)).

@Gabriele, cum grano salis: Also ich träume weder von halben noch von ganzen Märkten, sondern mache mir ernsthafte und, wie ich meine, seriöse Gedanken darüber, wie bei der schnellen Entwicklung des Buchmarkts mein Selbstverlegertum weiter professionalisiert werden könnte. Mit Träumen hat das nichts zu tun, sondern (zumindest für mich) mit strategischem Denken. Dennoch nichts für ungut ... -;))

Also, nochmals herzlichen Dank an alle - und bis zum nächsten Problem!
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